FRAGEN, DIE MIR IMMER WIEDER GESTELLT WERDEN

die Kindheit prägte mich

#1 Warum begleite ich Menschen mit Demenz?

Schon als Kind war ich ein Teil von Seniorennachmittagen. Bis heute begleitet mich der Geruch von Butterbrezeln, Nusszopf, Kaffee mit Büchsenmilch, Pfefferminz-Tee und Kerzen.

Als Pfarrerstochter waren das Alter, der Tod und das Sterben von Anfang an eine Selbstverständlichkeit für mich. Es war so natürlich, wie fröhliche Hochzeiten, ausgelassene Geburtstage, Taufen, Konfirmationen und einer vollen Kirche an Heiligabend.

Begriffe wie Hospiz, Seelsorge, Palliativbegleitung, Demenz und vielem mehr lernte ich früh kennen. Ich entwickelte schnell ein Verständnis für deren Bedeutung und wie wichtig diese im Leben sind für ein Leben in Würde bis zum Schluss.

Wenn ich meinen Vater ins Diak oder in ein Altenheim begleitete, wurde ich angestrahlt und es war, als würden viele zermürbte, harte Herzen weich werden, wenn ich mit meinem Vater zu Besuch kam. Wahrscheinlich war ich einfach ein goldiges kleines Mädchen, voller Vertrauen und frei von jeder Wertung. Einen Moment durften die Menschen einfach nur sein, mit all der Trauer und Gram, die sie in sich trugen.

In der Adventszeit sangen und musizierten meine Geschwister und ich im Krankenhaus oder inAltenheimen. Bei vielen Zuhörern liefen die Tränen still über die Wangen, wenn wir „Tragt in die Welt nun ein Licht“ sangen. Bis heute habe ich dieses Gefühl nicht vergessen. Es berührte mich zutiefst und ich verstand damals, dass ich in diesem Moment eben dieses Licht weitergab. Auch wenn es nur für einen kleinen Moment war.  

Ich habe nie aufgehört, dieses Licht weiterzugeben so oft ich es vermag, es wurde zu einer Herzensangelegenheit.

Und besonders denjenigen, die keine Sprache mehr haben möchte ich dieses Licht sein und ein Halt in einer Welt voller Dunkelheit, Angst und Verzweiflung, die die Demenz leider sehr häufig mit sich bringt.

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